
| Damals war dieser Wagen für mich unerschwinglich, denn DM 672O,- für ein Neufahrzeug waren einfach nicht beschaffbar. Ende der siebziger Jahre versuchte ich dann, den Lebensweg eines in den Sechzigern existierenden Rivieras über diverse Zulassungsstellen Deutschlands zu verfolgen. Ergebnis: irgendwo im Jahre 1968 verschrottet worden. So ist es wohl der Mehrzahl der Rivieras ergangen, von denen nur rela-tiv wenige gebaut wurden. Meines Wissens ,,leben" derzeit noch drei Exemplare innerhalb Deutschlands. |
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Um so größer war meine
Freude, als in der MARKT-Ausgabe vom Februar 1983 ein sol-ches Exemplar
angeboten wurde. Ich nahm sofort telefonischen Kontakt mit dem Verkäufer
auf, setzte mich spontan ins Auto und fuhr gen Norden, um den Wagen blind
zu kaufen.
Das Fahrzeug war optisch annehmbar. Eine Woche später, als ich den Wagen aus eigener Kraft 400 km gen Süden steuern wollte, stellte sich aber heraus: totaler Schrott! Die Heimfahrt wurde ein Abenteuer. Abgesehen davon, daß ich die Vorderbremsen mit Hammer und Meißel lösen mußte und die Zylinder wechselte (instinktiv hatte ich reichlich Zubehör dabei), brach in der Nahe der Heimat ein Kipphebel. Das alles erschütterte mich jedoch nicht, da ich die Probleme des alten Fiat 600 noch kannte und mir zu helfen wußte. |
| Zu Hause angekommen, war eine erste Be-standsaufnahme
fällig: Bodengruppe total durchgerostet - alle Kotflügel, die
vorderen besonders, stark verrottet. Die Bodenträger waren o.k., also
ausbaufähig. Und die Ersatzteilbeschaffung? Für die Mechanik
gab es keine Probleme. Basis war ja der Fiat 600!770. Dasselbe galt auch
für die Bodengruppe.
Dann ging es an die Restauration, mechanische Teile wurden komplett gewechselt. Nicht nur Motor, Getriebe, Bremsen, Vorder-/Hinterach-se, sondern auch Lenkung, Achskörper, Stoßdämpfer, Federn etc. Das Hauptproblem lag in der Erneuerung der Karosserie. Teile gab es hierfür in Deutschland nicht mehr. Da die Seat 600 D jedoch noch in Spanien liefen, ging die Urlaubsplanung 1983 dorthin. Für einen Seat 600 bekam ich ohne Probleme die gesamte Bodengruppe innerhalb eines Tages! Sogar für die ursprünglichen Scheinwerfer, komplett mit Lampengehäuse, gab es Neuteile. Also wieder einmal ein Stück weitergekommen. |
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Zurück in Deutschland, trat
ich an meinen ,,Karosserieschneider" heran, der mir alles nach mühevoller
und äußerst aufwendiger Arbeit komplett erneuerte. Das ,,Schätzchen"
nahm langsam Formen an. Nach dem Schweißen und Komplettieren ging
es an den Innenraum mit Nebenarbeiten, bis es lackfertig war. Die vielen
Stunden bis dahin seien nicht aufgeführt. Dann kamen die Feinarbeiten
für den TÜV. Im November ,84 (wieder waren Monate vergangen)
kam die Vollabnahme. Das Auto wurde vorge-führt, wie aus dem Ei gepellt,
alles klappte, der Prüfer lobte die äußerst solide Schweißarbeit
und fragte nach der Werkstatt. Lediglich der Abgaswert war zu hoch und
wurde vom Ingenieur eigenhändig korrigiert!
Der Originalmotor mit den für die Versicherung ungünstigen 25 PS wurde gegen ein 23-PS-Exemplar getauscht. Damit erreicht der Riviera 114 km/h, bei einem Spritverbrauch von rund sechs Litern auf 100 km. Die Zulassung erfolgte ohne sonderliche Probleme, obwohl keine Unterlagen über das Fahrzeug mehr vorlagen und erst neu beschafft werden mußten. Seitdem fahre ich meinen Wunschtraum im Sommer mit dem größten ,,Jugendvergnügen", denn ich fühle mich in alte Zeiten versetzt. Vergessen sind auch die vielen Stunden und die hohen Restaurationskosten (denn DM 10.000,- sind da schnell erreicht). |
Bericht von Roland Beck