
| Wenn man sich als gestandener ,,Provinzjournalist", der sich für gewöhnlich auch mal mit Stadtrats- und Vereinssitzungen, gelegentlich auch mal mit mehr oder weniger Kultur oder mit dem Leben der Hausspinnen auseinandersetzt, gewissermaßen ,,plötzlich und unerwartet" mit dem Gegenwert einer runden Viertel-million Mark konfrontiert sieht, ist das zu-nächst nicht unbedingt besonders aufregend. Denn mit solchen Summen wird auch in den Entscheidungsgremien kleiner Ortschaften recht munter gewirtschaftet. |
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Wenn einem dieser Betrag jedoch
in Form einer silberglänzenden Legende namens ,,Mercedes 300 SL Flügeltürer"
mit schwedischem Kennzeichen plötzlich dreidimensional gegenübersteht
(jedenfalls schätzte der Chef einer ortsansässigen Mercedes-Vertretung
das Auto auf diesen Wert), und man bekommt zugleich ohne weiteres die Erlaubnis
zum Fo-tografieren präsentiert, dann ist das für den pressevertretenden
Oldtimerfan natürlich fast wie Geburtstag und Weihnachten zusammen.
Erst mal anschauen und wirken lassen – dann stellen sich automatisch Visionen
eines Rudolf Caracciola ein, wie er mit der ursprünglich entwickelten
Rennversion des SL zu Beginn der Fünfziger über die Pisten saust.
Die Straßenversion machte nämlich erst die Autobahnen der jungen
deutschen Republik unsicher, als die Rennwagen bereits aus dem aktiven
Geschehen zurückgezogen waren. 1953 nahm Daimler-Benz den 300 SL von
den Rennstrecken und ab 1954 wurde in streng limitierter Stückzahl
(nur 1400) drei Jahre lang die Serienfertigung betrieben. Und der ,,zivile"
SL ist sogar besser motorisiert: Gegenüber der Rennversion, die mit
175 PS aus den drei Fallstromvergasern des
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| Drei-Liter-Reihenzylinders manch harten Kampf gegen stärkere Konkurrenz auf dem Parcours nur deshalb gewinnen konnte, weil die Technik zuverlässiger war, hatte der Straßen-Flügeltürer 215 PS bei 6200 Umdrehungen pro Minute vorzuweisen, die für die atemberaubende Höchstgeschwindigkeit von 260 Stundenkilometern sorgten. Der SL-Pilot mußte allerdings schon eine ganze Menge Mut mitbringen, wenn er diese Spitze ausfahren wollte - denn zum Verzögern gab's keine Scheibenbremsen: |
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Ein Lächeln nostalgischer Wehmut entringt sich einem beim Blick auf die Armaturentafel. Nicht nur die seinerzeit modernen Zierringe um die Armaturen, auch Heizungs- und Lüftungshebel, die Bedienungsschalter, seitliche Handgriffe und das oberhalb stehende Rückspiegelchen erstrahlen in dem edlen Metall. Bei den insgesamt sechs Rundinstrumenten ist an alles gedacht: Neben Geschwindigkeit und Drehzahl werden Benzinstand, Öl- und Wassertemperatur sowie Öldruck angezeigt. Nicht serienmäßige Extras sind beim schwedischen Touristenwagen ein schlichtes Namensschildchen an der Armaturentafel und die zierlich in die Scheibe eingeätzten amtlichen Kennzeichen. |
Bericht von Günther Frank
(Oldtimer-Prxis 9/90)